Allgemeine Anforderungen an den Bodenbelag im Weinwirtschaftsgebäude

Der Bodenbelag im Weinwirtschaftsgebäude sollte möglichst widerstandsfähig, langlebig und optisch ansprechend sein sowie die Arbeitssicherheit und die Einhaltung der Hygieneanforderungen gewährleisten.

Er sollte säurebeständig, chemikalienbeständig, wasserundurchlässig, pflegeleicht sowie gut und leicht zu reinigen sein. Er muss hohen dynamischen und mechanischen Belastungen durch Stapler und Weinbautechnik, aber auch der punktuellen Belastung durch Tankfüße standhalten. Außerdem muss er den Berufsgenossenschaftlichen Anforderungen entsprechend, frei von Stolperstellen, trittsicher und rutschhemmend sein. Zudem sollte er dekorativ gestaltet werden können um dem Anspruch der Kellerführung als Marketinginstrument gerecht zu werden. Nicht zuletzt spielt die Langlebigkeit eine Rolle, denn ungepflegte, schadhafte Oberflächen schaden hierbei dem Image des Winzers und belasten den Geldbeutel in zweifacher Hinsicht.

Einbauhinweise Bodenbelag – Anschluss Rinnen/Bodeneinläufe und aufgehendes Mauerwerk

In der Regel wird der Bodenbelag im Gefälle (ca. 1 bis 1,5%) zu den Bodeneinläufe bzw. Rinnen eingebaut, um eine zügige Entwässerung der Oberflächen zu gewährleisten und um die Bildung lokaler Pfützen zu vermeiden. Bei größerem Wasseranfall wird eine Rinnenentwässerung, bei weniger Wasseranfall wird eine punktuelle Entwässerung empfohlen.

Egal ob Rinne oder Bodeneinlauf, auch diese müssen wie der Belag selbst, mechanisch belastbar und mit Stapler befahrbar sein. Kritisch sind hierbei die Anschlussfugen zum Bodenbelag. Diese sind mit besonderer Sorgfalt auszuführen, denn diese müssen zusätzlich horizontale, dynamisch wirkende Kräfte ausgleichen.

In den Raumecken sowie zu den aufgehenden Umfassungswänden sollte eine gut abgedichtete Hohlkehle als Boden-/Wandanschluß ausgebildet werden. Diese ist leichter zu reinigen und verhindert das Eindringen von Feuchtigkeit bzw. Spritzwasser in die Raumfugen, was mittelfristig zu Durchfeuchtungsschäden und Schimmelpilz führen würde.

Allgemeine Hinweise zu Rinnen

Grundsätzlich sollten Bodeneinläufe und Rinnen immer dort eingebaut werden, wo der Wasseranfall am größten ist um ein schnelles Ablaufen zu gewährleisten. Man unterscheidet die sogenannte Punktentwässerung (=Bodeneinlauf), welche bei kleineren Räumen und wenig Wasseranfall ausreichend ist, und die Linienentwässerung (= Rinne) für Räume mit hohem Wasseranfall und langer Raumgeometrie. Letztere benötigt auf Grund des Eigen-Innengefälles von 1- 1,5% in der Rinne insgesamt einen höheren Gesamtfußbodenaufbau als die Punktentwässerung. Alternativ müssen zusätzliche Abläufe innerhalb der Rinnenlauflänge eingebaut werden.

Im Tankkeller sind schmale Schlitzrinnen ausreichend. Im Kelterhaus sollte, um grobe Verschmutzungen, wie Trester oder dgl. zurückzuhalten, eine breitere Kastenrinne mit Lochrost eingebaut werden. Die Einlaufkästen sollten bei allen Entwässerungssystemen mit Siphons als Geruchsverschluß und einfach herausnehmbaren Sieben ausgestattet sein.

Auch die Rinnen und Bodeneinläufe müssen wie der Boden der mit dem Stapler befahrbar sein.

Die einzelnen Belastungsklassen sowie Werkstoffe sind in der DIN EN 1433 beschreiben. Heutzutage werden aus hygienischen Gründen fast ausschließlich Bauteile aus korrosionsbeständigem Edelstahl mit polierter Oberfläche verwendet. Die Rinnen und Abdeckungen müssen bodengleich und stolperfrei sowie tritt- und kippsicher eingebaut sein.

Nutzestriche

Unmittelbar genutzte Estrichoberflächen sind je nach Einsatzort hohen Stoß- und Druckbelastungen, Temperaturschwankungen, aggressiven Säuren, Reinigungsmitteln direkt ausgesetzt.

Für diesen Zweck sind entweder „zementgebundene Industrieestriche, Gussasphaltestriche oder Kunstharzestriche“ geeignet. Estriche, wie sie im Wohnungsbau eingebaut werden, sind hier u.a. mangels ausreichender Festigkeitsklasse nicht geeignet.

Der „Industrieestrich“ wird direkt auf den tragenden Untergrund oder auf einer Trennschicht eingebaut. Typische Mängel können bei unsachgemäßer Verarbeitung Risse, Hohlstellen sowie das Herauslösen der Zuschlagsstoffe sein, was zu Staubentwicklung führt. Die Oberfläche kann zum Schutz imprägniert werden. Die jeweils geforderte Rutschsicherheit kann mittels Besenstrich oder Abreiben erhöht werden.

Vorteil des „Gussasphaltestrichs“ sind u.a. seine kurze Einbauzeit. In der Regel ist er nach 4 Stunden begehbar und nach 2 Tagen belastbar. Auf Grund seiner hohen Eigentemperatur kann er auch bei Frost verlegt werden. Er ist wasserdampfdiffusionsdicht und bietet einen guten Trittschallschutz. Durch Zugabe von Splitt kann die Stabilität, und durch Zugabe säurefester Mineralstoffe kann die Chemikalienbeständigkeit erhöht werden.

 

„Kunstharzestriche“ werden im Verbund mit dem Untergrund verlegt. Sie können nahezu fugenlos eingebaut werden, härten schnell aus und bieten einen hohen Verschleißwiderstand. Sie sind frostbeständig, unempfindlich gegenüber Feuchtigkeit und Chemikalien. Die Herausforderung liegt in der jeweiligen, auf die Einbausituation abgestimmten Rezeptur aus Kunstharzmörtel und Reaktionsharz sowie in der temperaturabhängigen Einbau- und Abbindezeit.

Plattenbeläge (Fliesen, Steingut, Steinzeug, Bodenklinker)

Grundsätzlich sind Keramikfliesen und Platten aus Steinzeug gut in Weinbaubetrieben einsetzbar. Sie sind widerstandsfähig gegenüber den Beanspruchungsanforderungen im Weinbau und sind in unterschiedlichster Farbgebung erhältlich. Beim Einbau ist zwingend auf eine holraumfreie Verlegung im Dickbett oder im Buttering-Floating-Verfahren zu achten. Der verwendete Verlegmörtel sollte chemikalienbeständig sein. Regelmäßig angeordnete Dehnfugen sind ein Muss um Schäden durch fortwährende mechanische Belastungen vorzubeugen. Risse in Fugen und zersprungene Fliesen sind nicht nur optisch unschön, es sind auch potentielle Stellen für die Bildung von Keimen, Schimmel und Eindringen von Bakterien, sodass die Hygieneanforderungen oft nicht eingehalten werden können.

Die Plattenoberfläche selbst muss nicht nur den Rutschhemmungs-Anforderungen der Berufsgenossenschaft entsprechen sondern auch gegen Verschleiß, Abrieb und Chemische Substanzen resistent sein.

Industrieböden

Verbundestriche mit Beschichtungen aus Kunstharzen wie beispielsweise Epoxidharze und Acrylharze sind sehr gut für die vielfältigen Anforderungen in den Arbeitsräumen eines Weinbaubetriebes geeignet.

Die Vorteile zeigen sich in einer fugenlosen, porenfrei verarbeiteten Oberfläche, welche mechanisch belastbar, säurebeständig und gut zu reinigen ist. Ein fugenloser Übergang zur Wand oder im Sockelbereich der oftmals vorhandenen Tankpodeste mittels Hohlkehle ist einfach auszuführen.

Der Hygienestandart ist sehr gut, da sich Schimmelpilze und Bakterien nur schlecht ansiedeln können. Die Oberfläche kann, je nach Anforderung, glatt oder rutschfest ausgeführt werden sowie farbig oder mittels Einstreuchips gestaltet werden. Böden mit dunkler Farbauswahl sind allerdings reinigungsintensiver. Es kommt vor dass durch Weinsäure sowie Kieselgur vereinzelt Flecken entstehen können.

Die vorgenannten Bodenbeschichtungen können nahezu auf allen Untergründen, welche ausreichend tragfähig, frei von Rissen und frei von trennenden Substanzen, wie loses Material, Staub, Öle, etc. sind, eingebaut werden und punkten durch schnelle Aushärtungszeiten.